Riefenstahls Liste - Lange Filmnacht zum Film "Tiefland"
Leni Riefenstahl ist derzeit in aller Munde - gerade ist auf den Filmfestspielen in Venedig Ende August 2024 die kritische Dokumentation "Riefenstahl" von Andres Veiel/Sandra Maischberger zur nazi-nahen Regisseurin vorgestellt worden. Sie soll Ende Oktober in die Kinos kommen.
Die Filmnacht in der KZ-Gedenkstätte erhält vor diesem Hintergrund eine besondere Aktualität. Worum geht es?
Leni Riefenstahl drehte zwischen 1940 und 1944 in Oberbayern und in Berliner Studios den Film "Tiefland", den sie allerdings erst 1954 fertigstellte. Er spielt in Spanien und schildert die gewaltvolle Beziehung zwischen dem Großgrundbesitzer Don Sebastian (Bernhard Minetti) und der schönen Tänzerin Martha, die - vielleicht - eine Zigeunerin ist. Sie wird von Riefenstahl selbst dargestellt. Als "spanisch" aussehende Komparsen heuerte Riefenstahl Sinti aus verschiedenen Internierungslagern an. Diese wurden kurz nach den Dreharbeiten nach Auschwitz deportiert, viele fanden dort den Tod.
Die Filmemacherin Nina Gladitz deckte 1982 diese Zusammenhänge in ihrer Doku "Zeit des Schweigens und der Dunkelheit auf". Leni Riefenstahl klagte - und verlor in wichtigen Punkten. Trotzdem zog der WDR Gladitz' Film zurück, er verschwand 40 Jahre lang aus der Öffentlichkeit.
Auf Riefenstahls Komparsenliste für "Tiefland", die erhalten ist, steht der Sinto Reinhold Laubinger. Auch er wurde nach den Dreharbeiten nach Auschwitz gebracht, gelangte aber von dort nach Natzweiler und im April 1944 nach Neckarelz, wo er 10 Monate blieb. Seine Lebensgeschichte bildet den Anlass für die Filmnacht.
Dort werden beide Filme gezeigt und diskutiert: "Tiefland" einerseits (98 Min.), Gladitz Doku (60 Min.) andererseits. Beide Filme werden mit der Lebensgeschichte von Reinhod Laubinger verknüpft. Die Filmnacht dauert von 19 bis ca. 23 Uhr, der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet im Seminarraum der KZ-Gedenkstätte Neckarelz statt.